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Vereinsgeschichte

Seit mehr als zwei Generationen wird in Hochstätten Fußball gespielt. Wahrscheinlich müssten wir mittlerweile sogar schon das hundertjährige Jubiläum feiern, wenn es nur darum ginge, dass junge Leute in Hochstätten auf einer Wiese hinter einem Ball herliefen und versuchten, beim Gegner ein Tor zu erzielen. Erfasst werden kann hier aber nur das Fußballspielen im Verein. Eine Chronik des Vereins kann an dieser Stelle nicht geschrieben werden. Wir müssen uns mit einigen Streiflichtern begnügen, die zwangsläufig lückenhaft bleiben. Sie werden hoffentlich auch in dieser Unvollständigkeit einen Eindruck von den Leistungen der Menschen in unserem Fußballverein und von den Veränderungen in diesem dreiviertel Jahrhundert vermitteln können.

Die Vereinsgründung

Die sportliche Betätigung wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch in den Dörfern der Nordpfalz immer bedeutender. Das Messen der eigenen Fähigkeiten mit anderen, der Ausgleich für die alltäglichen Mühen, die Geselligkeit und Kameradschaft mit gleichgesinnten waren die wichtigsten Gründe dafür.  Am 8. Juni 1911 wird ein "Turnverein Hochstätten e.V." beim Amtsgericht in Obermoschel in das Vereinsregister eingetragen. Der Verein war am 8. Februar 1911 gegründet worden und hatte sich "eine möglichst allseitige Ausbildung des Körpers und sittliche Förderung seiner Mitglieder" zum Ziel gesetzt. Der Turnverein bestand bis zur Zusammenlegung mit dem FVH in den dreißiger Jahren.   Neben dem Turnen und der "Athletik" war in dieser Zeit auch die Begeisterung für den Fußballsport groß, wie uns die Festschrift zum 50. Jubiläum des FVH berichtet. Junge Männer wie Philipp Schneider, Willi Unkrich, Emil Lamb und Christian Schwab sammelten Geld für einen Fußball und schossen sich das Leder in ihrer Freizeit auf dem Bahnhofsgelände zu.   Nach Kriegsende 1918, als die jungen Männer wieder in ihre Heimat zurück gekehrt waren, war es unbefriedigend, weiterhin nur so unorganisiert "herumzukicken". Die Idee einen Fußballverein zu gründen, nahm Gestalt an. Schließlich wollte man seine Kräfte mit anderen Mannschaften messen.   Im Sommer 1919 wurde dann der Fußballverein Hochstätten gegründet. Gründungsmitglieder waren Otto Christmann, Edmund Felsenthal, August Kunz, Richard Lamb, Andreas Leonhard, Willi Schmidt, Robert Schneider und Hans Seib. Vorsitzender wurde Willi Schmidt. Hinzu kamen dann Theo & Karl Schneider, Karl Leonhard, Karl Kron, Albert Schick und Heinrich Unkrich.   Monatlich wurden 10 Pfennig Beitrag erhoben. Geld für Trikots war nicht vorhanden und man beschaffte sich eine schwarze Sporthose und ein weißes Hemdchen mit Abzeichen. Auch die Fußballschuhe kaufte sich jeder selbst. Von dem kleinen Beitrag konnte man nur die Bälle bezahlen. Leider war noch kein Sportplatz vorhanden und man trainierte auf den Wiesen Vorhoien. Einem Verband gehörte der schwache Verein noch nicht an und es kam nur ab und zu ein Freundschaftsspiel zustande. Das erste fand gegen Alsenz statt und ging mit 11:0 verloren. Der Mut sank aber nicht und beim Spiel gegen die zweite Mannschaft von Ebernburg verlor man nur 4:2, was schon als großer Aufschwung angesehen wurde. Fahrtauslagen gab es nicht, denn man ging begeistert zu Fuß oder benutzte das Fahrrad. Beim passiven Widerstand z.B. marschierten die Aktiven zu einem Spiel gegen Odernheim geschlossen hin und zurück. Im Jahre 1927 wurde auf dem Vogelfang mit eigenen Kräften ein Fußballplatz notdürftig hergerichtet und der Verein trat nun in die Kreisklasse ein. Der neu geschaffene Platz war aber zu abgelegen, steinig und hängig, sodass man von 1930 an wieder auf den Wiesen spielte.

Schwierige Anfangsjahre

Der Spielbetrieb in den zwanziger Jahren unterschied sich recht deutlich von dem heutigen. Nicht nur, dass die Rahmenbedingungen wie Sportplatz, Sportheim, Ausrüstung und Transportmöglichkeiten schlecht oder zeitweise gar nicht vorhanden waren- auch regelmäßige Spiele waren noch nicht durchgehend möglich.   Allmählich wurde der Sportbetrieb in den folgenden Jahren regelmäßiger. Die Hochstätter Fußballer nehmen in der Spielzeit 1927/1928 an den Verbandsspielen des Kreises Rockenhausen teil. Zu den Gegnern gehören Alsenz, Enkenbach, Weidenthal und Marnheim. Die Zahl der Spiele blieb, mit heute verglichen, recht gering. Die Winterpause dauerte mehrere Monate und im Sommer konnten viele Vereine - wie auch der FVH -, die nicht über eine eigene Spielfläche verfügten, nur so lange auf den Wiesen spielen, wie der Bewuchs es zuließ. Nach der Heuernte ging es dann meist erst im September weiter.  Oft war es auch schwierig, zu den entfernt gelegenen Spielorten zu kommen. Per Bahn, manchmal mit dem Auto, seltener mit dem Bus, oft aber mit dem Fahrrad oder zu Fuß wurden die Wege zu den Auswärtsspielen zurückgelegt.   Ende 1931 wird der Fußballverein ein "e.V." Zuvor hatte die Generalversammlung am 29.8.1931 eine Satzung genehmigt, aus der auch das genaue Gründungsdatum ersichtlich wird: Demnach ist der FVH am 27.9.1919 gegründet worden.  Ab April 1932 konnte der Verein den von der Reichsbahn ausgebeuteten Steinbruch an der Straße nach Alsenz pachten. Dort wurde aus eigener Kraft, mit Zuschüssen des Fußballverbandes und der Gemeinde sowie mittels eines Darlehns ein Hartplatz angelegt. Genau 60 Jahre, bis 1992, wurden die Fußballspiele in Hochstätten dort ausgetragen. Der Platz litt allerdings von Anfang an darunter, dass er nicht ganz den vorgeschriebenen Maßen entsprach. Trotzdem kam mit der Möglichkeit, regelmäßig zu trainieren, auch der sportliche Erfolg.

Im "Dritten Reich"

Für die Zeit des Nationalsozialismus, des zweiten Weltkriegs und die Nachkriegszeit hat auch die Überlieferung Lücken.   Am Freitag den 26. Mai 1933 fand im Nebenzimmer der Wirtschaft Leonhard eine Besprechung der Vorstandschaften des Turn- und Fußball- Vereins statt. Diese hatte den Zweck eine Vereinigung beider Vereine in die Wege zu leiten. Nach eingehender Aussprache kam eine dementsprechende Verständigung zustande. Ursache und Anlass dieser Maßnahme war die politische Einigung und Änderung im Deutschen Reich.  Der Kreisklassenverein FV Hochstätten hatte je eine Jugend- und Aktivenmannschaft, die auch Leichtathletik trieb. In der Sommerpause fanden seit 1932 leichtathletische Wettkämpfe statt. Die Fußballer nahmen an Rundenspielen teil und führten Freundschaftsspiele durch, und manche Anekdote verbindet sich noch mit den Fahrten nach auswärts, die immer eine Abwechslung in den Alltag brachten. Die älteren Mitglieder wissen so manches "Stickelche" zu erzählen!  Das Kassenbuch von 1935 gibt uns einige Einblicke in die damalige Lage. Die Auslagen des Schriftführers Karl Kron betrugen 11,90 Mark für ein halbes Jahr und alles ist fein säuberlich aufgelistet. Von den Postkarten für 6 Pfennig, mit denen üblicherweise die Spielvereinbarungen getroffen wurden, über Spielberichtsformulare bis zu Briefen an den DfB in Berlin, der in einer Mahnung 3,- Mark Strafgebühren "wegen Nichtteilnahme an den Jugendpflichtspielen" einfordert, findet sich dort so manches. Ein Arbeitstag auf dem Sportplatz wurde mit 3,- Mark entlohnt, ein Schiedsrichter kostete pro Spiel etwa das gleiche; Karl Leonhard, Weinbau und Weinversand, berechnete für einen Zentner Kalk zum Ausstreuen der Markierungen 2,- Mark, und die Schuhmacherei Theodor May stellt für das Flicken von Fußbällen 50 Pfennig pro Ball in Rechnung.  Die "Lustbarkeitsveranstaltungen" des Vereins waren auch finanzielle Erfolge. So blieben z.B. von einem Maskenball am 10.2.1935 bei Einnahmen von 102,- Mark ein Überschuss von 49,96 Mark übrig. Beliebt und viele Jahre veranstaltet war die Tanzmusik an Ostern und Pfingsten, wobei nachmittags zuvor ein Fußballspiel stattfand. Am 2. Ostertag 1935 war dies so: Zuerst spielte Hochstätten gegen Fürfeld, abends war Tanz, und für den Verein blieben 77,69 Mark übrig. Damit konnte dann u.a. der Vereinsdiener bezahlt werden, der 2,- Mark für das ganze Jahr erhielt.  Die etwa 60 Mitglieder im Jahre 1937/1938 wurden immer wieder zu Spenden z.B. für die "Nationalsozialistische Volkswohlfahrt", zu Sammelaktionen oder zum Bezug von Zeitschriften aufgefordert. Unter anderem war der Kicker abonniert, der auch die amtlichen Mitteilungen des DfB enthielt und 86 Pfennig pro Monat kostete.  1937 wurde der Vorsitzende Eugen Lintgen durch Karl Kron abgelöst, der zugleich Kassierer war. Das Protokoll der Generalversammlung vom 23.1.1937 verzeichnet Georg Wesel als 2. Vorstand, Hermann Schneider als Schriftführer und Lehrer Karl May als Jugendleiter. Eine Kappensitzung sollte abgehalten werden, und zum Schluss heißt es im Protokoll: "Der Vereinsführer Karl Kron schloss die Versammlung mit einer Mahnung an die Jugend sowie Neuwerbung von Mitgliedern. Bis zur nächsten Generalversammlung soll mindestens jeder ein neues Mitglied geworben haben. Die Versammlung fand ihren Schluss mit einem dreifachen Sieg- Heil auf Führer und Volk.  Der Werbeaufruf hatte einen realen Hintergrund, denn einen Monat später teilt der Schriftführer des FVH dem Fußballklub Alemania Mannheim - Rheinau mit, dass ein vorgesehenes Spiel an Pfingsten nicht stattfinden kann. "Zurzeit haben wir keine 1. Mannschaft mehr, da sie alle bis auf 5 ältere Spieler zur Ablegung ihrer Militärdienstzeit eingezogen sind. Auch auf finanzieller Seite wäre es uns nicht möglich, Ihnen einen Teil Ihrer Reisekosten zu ersetzen."  Als Ergänzung und Ausgleich zum Fußball wurde immer auch Leichtathletik betrieben. Bei den "Alsenztal-Kampfspielen" am 5. September 1937 auf dem Hochstätter Sportplatz wurden gute Leistungen auch von den Hochstätter Sportlern erreicht. Sieger waren u.a. Hermann Schneider (100 Meter in 11 Sekunden), Karl Beck (800 Meter in 2.16,2 Min.), Ludwig Heblich (Keulenwerfen 57,60 m und Kugelstoßen 11,12 m) sowie Julius Jutzi (Hochsprung 1,60 m und Diskuswerfen 29,68 m).  In den Kriegsjahren kam der Spielbetrieb ganz zum Erliegen. Die meisten Aktiven waren zum Militär eingezogen, und einige mussten ihr Leben "im Felde" lassen.

Nachkriegsjahre

Die Militärregierung der französischen Besatzungszone, die nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 die Befehlsgewalt und unserer Region seit dem 10. Juli 1945 übernahm, hatte größere Probleme zu lösen als den Sport wieder aufzubauen. Da die Sportverbände alle mit den nationalsozialistischen Organisationen gleichgeschaltet waren, wurden sie sofort verboten. Auch die Menschen hatten zunächst andere Sorgen. Trotzdem regt sich ein Jahr nach Kriegsende wieder der "Sportgeist", der FVH ist wieder aktiv.  Der 1.FC Kaiserslautern fragt am 28. Juli 1946 an, ob es nicht zu einem Spielabschluss; mit einer Ihrer Jugendmannschaften und unserer 1. Mannschaft kommen könnte. Es war dann doch nicht so einfach, das Spiel zu organisieren. Am Ostersonntag 1947 fand eine "Juniorenbegegnung" FVH - 1.FCK statt. Nach einer 3:2 Halbzeitführung der Hochstätter gewann der 1.FCK am Ende mit 5:3 Toren. Spielbegegnungen dieser Art waren für Vereine aus der Stadt zu dieser Zeit auch deshalb interessant, weil es auf dem Land mehr zu futtern gab. Viele Anfragen nach Freundschaftsspielen enthalten denn auch Hinweise auf die Verpflegung, die man hier erbittet.  Einen ungewöhnlichen Spielpartner hatten die Hochstätter in dieser Zeit: Am Ostermontag wurde ein Freundschaftsspiel gegen die Lagermannschaft des Kriegsgefangenenlagers Bretzenheim ausgetragen, und am 11.4.1948 gab es eine weitere Begegnung beider Mannschaften, welches der FVH mit 7:5 gewann.  Nach der französischen Besatzungszeit wurde am 18. Mai 1947 der erste Rheinland- pfälzische Landtag gewählt. Zeitgleich wurden die Amateurklassen A und B gebildet, und mit Hilfe von Zuschüssen des wieder bestehenden Fußballverbandes konnte noch in diesem Jahr der Sportplatz ausgebaut werden. Durch wiederum erhebliche Eigenleistungen wurde der Platz vergrößert, doch er war immer noch relativ klein.

Normalbetrieb

Neben den Fußballern gab es auch eine Damen- Handballmannschaft, die im Sommer 1948 in der Verbandsrunde startet. Bei den Fußballern sind einige für die Kreisauswahl des Landkreises Rockenhausen nominiert: Die Namen Döring, Büner, Lintgen, Schwab und Beisiegel werden in den Aufstellungen 1948/49 genannt. Die einzige aktive Mannschaft des FVH spielte in der B-Klasse auf den vorderen Plätzen mit und konnte 1949 den Aufstieg in die A-Klasse erreichen.  Mit steigendem Zuschauerinteresse und langsam wachsenden Einnahmen konnte jetzt ein Umkleidehäuschen aufgestellt werden. Zwei Jahre später war dann auch eine Platzumzäunung möglich, die aber immer wieder geflickt und erneuert werden musste. Mit dem allmählichen Wirtschaftsaufschwung verbesserte sich auch die Lage des FVH.  Bis zum Spieljahr 1962/1963 konnte sich die Mannschaft in der A-Klasse halten. In dieser Zeit wurde 1956 die Pokal-Meisterschaft durch einen Sieg gegen Langmeil errungen. Die Zahl der aktiven Spieler und der Mannschaften nahm stetig zu. Ab der Spielzeit 1963/1964 musste der FVH in der neu eingerichteten C-Klasse des Kreises Rockenhausen spielen. Nach einem Jahr wurde der Aufstieg geschafft und die Meistermannschaft konnte mehrere Jahre gute Plätze in der B-Klasse belegen, ohne das aber ein weiterer Aufstieg gelang.  Der Aufschwung in Deutschland bildet sich auch in unserem Verein ab. In den sechziger Jahren trat neben die aktive Mannschaft eine Jugendmannschaft und zum fünfzigjährigen Jubiläum konnte stolz auf 44 Aktive und 81 passive Mitglieder verwiesen werden.  Stolz konnte man auch auf die Investitionen sein, die am Sportplatz getätigt wurden. 1968 wurde der Umkleideraum neu hergerichtet, Wasser und Licht zum Fußballplatz gelegt und Flutlicht installiert. Die Schulden, die trotz der Zuschüsse von Gemeinde, Kreis und Verband noch blieben, konnten durch die Einnahmen aus gut besuchten Maskenbällen bald abgebaut werden.

Von Jubiläum zu Jubiläum: 1969 -1994

Unmittelbar nach dem fünfzigjährigen Jubiläum wurden die Planungen für ein Clubheim angestellt. Kurt Wendling fertigte die Pläne, und bereits am 1.9.1970 lag die Baugenehmigung für das neue Clubheim vor. Damit war dem Verein eine große Aufgabe gestellt, denn der eigentliche Zweck ist ja Fußballspielen, nicht die Erstellung eines Gebäudes oder der Wirtschaftsbetrieb "um den Fußball herum". Trotzdem ist beides notwendig; der Verein kann sich und damit den Spielbetrieb sonst nicht finanzieren.  Nach einer Bauzeit von fünf Jahren ist das Clubheim im August 1975 endgültig fertig und wird eingeweiht. Damit wird das Vereinsleben spürbar verbessert. Zum ersten Mal haben die Fußballer des FVH ein eigenes Zuhause. Die Veranstaltungen des Vereins, die Generalversammlungen und Weihnachtsfeiern konnten nun im eigenen Hause durchgeführt werden. Bei den Heimspielen ist jetzt eine ordentliche Bewirtschaftung möglich. Diese wird in den letzten Jahren mehr und mehr von den Frauen der Aktiven übernommen.  Was die "Gewohnheit" betrifft, so war der Zustand des Platzes eher berüchtigt als berühmt. Bei Regen funktionierte die Drainage nur unzureichend, es gab gerade im Winter häufig Absagen oder regelrechte Schlammschlachten. Nachdem Felsbrocken von der Felswand im Westen des Platzes auf dem Spielfeld landeten, wurde über Sicherungsmaßnahmen an den Felsen nachgedacht. Aber weder ein Absprengen, das auch das Clubheim demoliert hätte, noch andere Überlegungen waren umsetzbar, d.h. zu bezahlen. Zudem ist eine Vergrößerung des Spielfeldes aus topographischen Gründen nicht machbar. Der Platz war mit 90 x 55 m eigentlich unterhalb der üblichen Maße. Zudem liegt die Haftung für mögliche Unfälle beim Verein - wer will dies auf sich nehmen? Andererseits: Wie viel Arbeit, Energie und Herzblut hängt in diesem Sportplatz!  Im Sommer 1985 fuhren dann Vereins- und Gemeindespitze ins Innenministerium, legten Fotos und Planskizzen vor und konnten die Vertreter des Landes Rheinland-Pfalz schließlich überzeugen, dass der Neubau eines Sportplatzes notwendig wird. Zuvor hatte das Land signalisiert, dass angesichts der äußeren Bedingungen ein Zuschuss zur Platzsanierung nicht gewährt wird. Die Überlegungen, einen neuen Fußballplatz zu bauen, wurden dann immer konkreter. Wegen des Aussiedlerhofes und der damit verbundenen Immission konnte das Neubaugebiet "Am Kreuz" nicht erweitert werden. Die Flächen direkt am Ortsrand boten sich damit für die neue Sportanlage an, und der Gemeinderat beschloss den notwendigen Bebauungsplan. Den Grunderwerb übernimmt die Gemeinde, doch zu größerer finanzieller Beteiligung sind im Gemeindehaushalt keine Mittel vorhanden. Der Verein hat sich um die Finanzierung bemüht und durch den Verkauf des "alten Clubheims" den Bau eines neuen ermöglicht. Der Sportplatz wird neben den Eigenmitteln letztlich nur durch die Unterstützung des Landes mit Mitteln aus dem "Goldenen Plan" und durch Zuschüsse des Landkreises Bad Kreuznach realisierbar.  Dem Baubeginn mitten im Winter 1990 folgten eineinhalb arbeitsreiche Jahre. Dank der Mithilfe des SWFV und dessen Maschinen kann der Platz bereits im Juli 1992 eingeweiht werden. Viele aktive, etwas weniger die nicht mehr aktiven Mitglieder beteiligten sich an den Arbeitseinsätzen.  Manche Zweifel waren bis zuletzt geblieben, ob sich solch eine Investition überhaupt lohnen würde. Gibt es überhaupt noch Nachwuchs, der dort Fußball spielen will? Wie kann das alles finanziert werden? Dem endgültigen Beschluss der Generalversammlung 1989, den Schritt in die Zukunft zu wagen, war also ein langer Prozess der Meinungsbildung vorausgegangen. Diese Entscheidung ist letztendlich auch der umsichtigen Führung vom langjährigen Vorstand Hans Unkrich zu verdanken. Am 17.7.1992 konnte er zufrieden zusehen, wie sein Sohn Frank das Band bei der Platzeinweihung durchschnitt.

Die sportliche Entwicklung 1969 -1994

Das Jahr des fünfzigjährigen Jubiläums war auch das Jahr der Verwaltungs- und Gebietsreform. Hochstätten "wanderte" politisch zum Kreis Bad Kreuznach, doch Fußball wurde zunächst weiter im neu formierten Donnersbergkreis gespielt. In der B-Klasse Rockenhausen konnte man sich im Mittelfeld halten, doch 1977 wurde dann auch auf der sportlichen Seite der Kreis gewechselt. Trotz des Wechsels in die B-Klasse Bad Kreuznach Ost blieben bis heute viele Beziehungen Alsenz aufwärts erhalten. Freundschaftsspiele und Turniereinladungen belegen dies bis heute.  An der Nahe wehte wohl ein schärferer Wind, so dass im Sommer 1980 der Abstieg in die C-Klasse nicht mehr abzuwenden war. Vor 400 Zuschauern im Kreuznacher Möbusstadion verlor der FVH das Entscheidungsspiel gegen Wallhausen mit 1:4.  Die Stimmung war aber nicht dauerhaft getrübt und die nächsten Jahre waren durch kontinuierliche Aufbauarbeit, auch im Jugendbereich, gekennzeichnet. Die Hochstätter Mannschaft war im Gegensatz zu anderen in unserer Region keine zusammengeworbene und -gekaufte Truppe, sondern bestand überwiegend aus Einheimischen. Diese Entwicklung konnte in jüngster Vergangenheit leider nicht fortgeführt werden. Mit einer verjüngten Mannschaft wurde 1985 die Meisterschaft der C-Klasse errungen und damit der Wiederaufstieg in die B-Klasse.  Auch in den folgenden Jahren ging es weiter aufwärts und nach dem Umzug auf das neue Sportgelände wurde in der Saison 1992/93 die Meisterschaft in der B-Klasse Bad Kreuznach Ost und damit der Aufstieg in die A-Klasse errungen. Voraussetzung hierfür waren unter anderem auch die Trainings- und Spielbedingungen auf dem sehr guten Hartplatz und die Kameradschaft der Spieler.  So wie sich der Spielbetrieb verändert hat, wandelt sich auch das Angebot im FV Hochstätten. Seit Mai 1980 besteht eine Abteilung Damengymnastik, die nicht nur viele Mitglieder für den Verein gewinnen konnte, sondern auch mit einem vielseitigen Programm für Frauen etwas für die Gesundheit tut.

Hochstätten – aus Geschichte und Gegenwart

Hochstätten ist ein alter Siedlungsplatz. Wann die ersten Menschen hier sesshaft wurden, wissen wir nicht genau. Die von Karl Beck im Manuskript fertiggestellte „Chronik von Hochstätten“ lädt zum Nachlesen ein. Die folgenden Zeilen wollen lediglich einige Impressionen der Entwicklung unseres Heimatdorfes vermitteln. Ungeachtet von Vermutungen und unzureichenden Belegen ist sicher, dass die Verkehrswege den Ort bis heute prägen. Da sowohl die heutigen Bundesstraßen 48 und 420 als auch die Eisenbahnlinie Kaiserslautern – Bingen hier durchführen, sind das Rhein-Main-Gebiet wie auch der Pfälzer Raum gut erreichbar. Diese Verkehrslinien folgen alten Verbindungswegen, angefangen mit Römerstraßen, an denen sich Hochstätten seit dem Mittelalter langsam, aber stetig entwickelte und auf denen der jeweilige Besitzer bequem zu dem Ort gelangte. Wir haben von der Kirchengemeinde Hochstätten – zumindest bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts – eine reichhaltigere Überlieferung als von der politischen Gemeinde. Kein Wunder: Die Pfarrer des Ortes führten die Kirchenbücher und verfassten immer wieder Ortsbeschreibungen; als politische Gemeinde ist Hochstätten immer nur ein Teil von größeren Besitz- bzw. Verwaltungseinheiten. Seit 1261 besteht in Hochstätten wahrscheinlich eine eigene Pfarrei. Der im 13. Jahrhundert erbaute Turm der Kirche prägt noch heute das Ortsbild. In der Reformation wurde der Ort schon früh lutherisch und ist es bis heute noch zu mehr als 80 %. Die Nachbarschaft zur Ebernburg, der „Herberge der Gerechtigkeit“ des Franz von Sickingen, lässt diese Vermutungen zu, und für 1624 ist dies als Tatsache belegt. Auf der Grundlage der seit 1690 lückenlos erhaltenen Kirchenbücher der evangelisch-lutherischen Pfarrei Hochstätten hat der damalige Pfarrer Hugo Brand im Jahre 1964 für die Festschrift zum 101-jährigen Jubiläum des MGH einen größeren Beitrag „Aus der Geschichte unseres Dorfes Hochstätten“ verfasst. Auf die dort zusammengestellten Informationen soll hier ausdrücklich verwiesen werden. Hochstätten wird 1366 und 1391 als „Hoenstein“, 1386 als „Hochsteden“ urkundlich erwähnt. Der Ortsname dürfte – wie auch die heutige volkstümliche Bezeichnung „Hochsteere“ belegt – dem Sinn nach als „Dorf bei dem hohen Stein“ gedeutet werden. Das Gemeindewappen nimmt die (drei) Hügel auch als Motiv wieder auf. Zunächst waren die Rau- und Rheingrafen vom benachbarten Rheingrafenstein (seit 1699 in Gaugrehweiler residierend) Herren über Hochstätten. Später besaßen die Ritter von Bolanden-Reipoltskirchen den Ort. Durch Tausch erwarben die Wildgrafen und Rheingrafen von Dhaun im 16. Jahrhundert nach und nach die Herrschaft über Hochstätten, das im Jahr 1754/55 an die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken überging. 129 Einwohner werden dabei registriert, 549 ha Gemarkung mit 304 ha Ackerland und 28 ha Wenberg. Engere Kontakte zur heutigen Kreisstadt Bad Kreuznach entstanden im Jahre 1768, als Hochstätten zu dem kurpfälzischen Amt Kreuznach kam. Nach der französischen Besatzung 1792 gehörte der Ort zum Département Mont-Tonnère (Donnersberg) und nach dem Wiener Kongress m Jahr 1815 zur Pfalz als Teil des Königreichs Bayern. Bis zur Gebiets- und Verwaltungsreform 1969 war Hochstätten als Ort des Landkreises Rockenhausen pfälzisch. Die meisten Verbindungen der Hochstätter waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf Bad Kreuznach orientiert. Der Ort wurde deshalb bei der Gebietsreform dem Landkreis Bad Kreuznach zugeordnet, dessen Kreisgrenze die Gemarkungsgrenze nach Alsenz bildet. Lag Hochstätten bis 1969 am äußersten Nordzipfel des Regierungsbezirks Pfalz, so ist es die jetzige Randlage im Regierungsbezirk Koblenz, die mit manchen Nachteilen spürbar wird. Als Beispiel seien nur die fehlenden Hochwasserschutzmaßnahmen an der Alsenz genannt. Die 1929 - für damals wie heute 680 Einwohner – gebaute Wasserleitung fand 1970 ihr „Gegenstück“: Eine Kläranlage wurde errichtet und in den Jahren 1970 bis 1976 die Kanalisation im ganzen Ort verlegt. So waren gute Voraussetzungen gegeben für die Erschließung der Neubaugebiete „Am Kreuz“ und „Am Jungenwald“ und am „Steinweg“. Die Neubaugebiete sind nicht so groß, dass sie die Dorfstruktur zerstört hätten. Weitere Neubaugebiete sind aufgrund der Topographie kaum zu erschließen. Die meisten Arbeitnehmer sind heute Pendler, davon etwa 60 % nach Bad Kreuznach. Es gibt nur noch wenige landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe und der Strukturwandel vollzieht sich rasch. Waren 1960 noch etwa 120 Personen landwirtschaftlich beschäftigt, so sind es heute nur noch etwa 20. Bis auf einen Landwirt, der sich der Viehzucht widmet, betreiben alle anderen Landwirtschaften mit Weinbau. Von der früher umfassend vorhandenen Versorgung der Bevölkerung mit den Dingen des Alltags ist heute nur noch wenig im Ort anzutreffen. Lebensmittel können nur im benachbarten Altenbamberg oder Alsenz erworben werden. Neben zwei Gaststätten gibt es noch Möbelhandlung, Friseur, Heizung & Sanitär, sowie Parkett – Geschäft. Schule und Kindergarten sind in einem Dorf dieser Größe nicht mehr zu halten. Seit 1993 besuchen die Hochstätter Kinder den gemeinsamen Kindergarten für Hochstätten und Altenbamberg in Altenbamberg. Die Ortsgemeinde hat sich finanziell am Neubau des gemeinschaftlichen Kindergartens in der Nachbargemeinde beteiligt, um eine dauerhafte Lösung zu erreichen. Grund- & Hauptschule werden in Bad Münster am Stein – Ebernburg besucht, die weiterführenden Schulen in Bad Kreuznach. Das dörfliche Leben spielt sich – was Feiern und Feste angeht – meist, im kurz nach der Jahrhundertwende errichteten, Gemeindesaal und im Dorfgemeinschaftshaus ab. Im Saal finden Konzerte, Theater, Fastnachtsveranstaltungen und ein Teil der Kerb statt. Jeden Montag wird dort die Gymnastikabteilung des FVH aktiv. Das 1952 mit der Raiffeisenkasse erbaute Dorfgemeinschaftshaus wurde nach 1988 umgebaut. Im Erdgeschoss tagt der Gemeinderat. Die oberen Räume beherbergen in einem kleinen Raum die Gemeindebücherei, und der große Raum dient dem Männerchor „Germania“ mit Musikabteilung und Gemischtem Chor ebenso wie dem Verkehrsverein und dem VdK, dem Krankenpflegeverein und der SPD für ihre Veranstaltungen und Zusammenkünfte. Die protestantische Kirchengemeinde hat für den Kindergottesdienst und die Sitzungen des Presbyteriums das ehemalige Feuerwehrhaus neben der Kirche umgebaut. Die Feuerwehr hat die Straßenseite gewechselt und den ehemaligen Dorfladen für seine Zwecke umgebaut. Auch das Erscheinungsbild des Ortes hat sich in den letzten Jahren durch den Neubau von Haupt-, Kanal-, Gallert- & Fürfelderstraße, sowie durch weitere Maßnahmen deutlich verbessert. Trotzdem bleibt auch hier noch viel zu tun um das alles auch zu pflegen und zu erhalten. Hier sind alle Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen gefordert. Die Finanzkraft der Gemeinde wird sich in den kommenden Jahren wohl nicht verbessern. Geleistet werden kann in Hochstätten nur etwas, wenn beträchtliche Eigenleistungen erbracht werden. Der Sportplatzneubau, der Bau des Sportheimes oder die Renovierungsarbeiten im Gemeindesaal zeigen solche Beispiele von Gemeinsinn, auch wenn es oft nur wenige waren, die sich an den Arbeiten beteiligt haben. In der Zukunft müssen die Bürgerinnen & Bürger von Hochstätten wieder stärker an einem Strang ziehen um Dinge voranbringen zu können.